Barbara Kiener
(*1979)
wohnt in Interlaken und Zürich
Malerei, Performances, Aktionskunst und Installationen
Ausstellungen und Aktivitäten in Zusammenarbeit mit da Mihi Gallery
2025
Barbara Kiener – Echo der Verwundbarkeit
Ausstellung in der Gerechtigkeitsgasse 36, Bern
2024
Art Salon Zürich
Performance «Close-Distance»
Barbara Kiener
Wann: Samstag, 26. Oktober 2024, 15.00 Uhr
Dauer: 15 Minuten
Standort: Eingang/ Durchgang, Werkstatt-Zürich, Halle D
Text von Nurja Ritter
(Foto links: Mirjam Kluka)
2022
Barbara Kiener – Gewissensbisse
24 Stunden-Performance auf dem Bärenplatz Bern,
25. / 26. Dezember 2022
Presse: «der Bund», von Alexander Sury am 24.12.2022
2020
Barbara Kiener – imagination is reality, 14. August - 19. September
VR-Video
zur Ausstellung 2020 – 360° Introduction by Barbara Kiener – imagination is reality: Dauer 5 Min.
zum Video
Presse
«der Bund», Sehenswertes an der Saison-Eröffnung Kunst in Bern, von Xymna Engel, 13. August 2020
Blog-Beitrag vom 4. Mai 2020
Webseite Barbara Kiener
SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz
Barbara Kiener – Echo der Verwundbarkeit
25. April - 14. Juni 2025
Ihre unverwechselbaren Malereien der heimatlichen Bergwelt sind geprägt von einer erfrischend und zeitgenössisch inspirierten Sichtweise. Zu ihrem umfangreichen, bildnerischen Œuvre gehören auch Schriftbilder, übermalte Fotografien, Drucke und sogar Keramiken. Nationale Bekanntheit erlangte die Künstlerin durch ihre Performances und Aktionen im öffentlichen Raum, so bemalte sie 2022 die Merjenbrücke in Stalden VS rosarot.
Vernissage
Freitag, 25. April, 18.00 - 20.00 Uhr
Die Künstlerin ist anwesend
Samstag, 3. Mai, 14.00 - 17.00 Uhr
Samstag, 17. Mai, 14.00 - 17.00 Uhr
Finissage
Samstag, 14. Juni, 14.00 - 17.00 Uhr
Barbara Kieners grosses Gemälde «Berge» beherrscht den zentralen Ausstellungsraum. Dunkel erhebt sich die expressive Bergsilhouette vor einem flirrenden, neonrosafarbenen Himmel. Die raue Oberfläche der Malerei lässt die Landschaft unruhig erscheinen, als befinde sich in einem Prozess der Auflösung. Dieser Eindruck verstärkt sich durch den gesprayten Himmel und die scheinbar willkürlich eingefügten Textfragmente, die wie Bruchstellen dem vermeintlich soliden Berg den Halt entziehen. Für die in Zweilütschinen aufgewachsene Barbara Kiener sind Berge Sinnbilder der Geborgenheit und der Heimat – doch zugleich tragen sie eine bedrohliche Kraft in sich. Sie ragen monumental empor, wirken unerschütterlich und doch unberechenbar. Beim Aufstieg und vom Gipfel eröffnet sich eine andere Perspektive: In der Weite des Panoramas liegt für Kiener eine Ahnung von Freiheit, von neuen Möglichkeiten – das Gegenteil von Enge und Gefahr.
Diese Ambivalenz macht die Künstlerin in ihrer Malerei spürbar. Ihre abstrahierten Bergsilhouetten entziehen sich der greifbaren Realität und verwandeln sich in vieldeutige Landschaften. Sie oszillieren zwischen Schutz und Vergänglichkeit, zwischen Vertrautem und Ungewissem – zugleich Zufluchtsort und Mahnmal. Für Kiener stehen die Berge über allem – doch wenn sie bröckeln, wird ihre Verwundbarkeit sichtbar. Der Grindelwaldgletscher schwindet und hinterlässt eine karge Gerölllandschaft. Der tauende Permafrost löst Murgänge und Steinschläge aus, einst monumentale Formationen brechen in sich zusammen. Diese fragilen Prozesse der Veränderung übersetzt Kiener in ihre Malerei. Ihre Werke halten die prekäre Lage der Bergwelt fest – nicht als blosse Dokumentation, sondern als Spiegel, der uns mit unserem eigenen Handeln oder Nichthandeln konfrontiert. Ihre Bergbilder sind prall gefüllt mit unseren Vorstellungen der Berge als Sehnsuchtsort, getaucht in zuckriges Rosarot, Wortfetzen hängen wie Banner an ihnen, der menschliche Eingriff in die Natur ist radikal sichtbar. Der Berg verschwindet fast unter dieser Last und zeigt damit seine Verletzlichkeit. Kieners Kunst ist ein Ruf, der Resonanzen einfordert, nicht den Blick abzuwenden, auch wenn es schmerzhaft wird. Denn nur mit wacher Wahrnehmung und offenem Bewusstsein können wir uns selbst und unseren Schattenseiten gegenübertreten.
Im Schaufenster der Galerie ist eine eindrucksvolle Schwarz-Weiss-Fotografie einer Performance zu sehen: Die Künstlerin steht, erhöht auf einem Sockel, zwei weisse Fahnen schwingend. Eine kraftvolle Geste der Sichtbarmachung, der Raumaneignung und der Neubewertung einer Tradition mit vielschichtiger Geschichte. Ihr künstlerisches Interesse galt schon immer der Fragilität zwischenmenschlicher Beziehungen, dem Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne sowie den Ambivalenzen der menschlichen Existenz in einer sich stetig wandelnden Welt. Um das Fahnenschwingen nicht nur theoretisch zu erfassen, sondern es selbst zu erleben, wollte sie diesen Schweizer Volkssport erlernen. Doch ihr Wunsch, einem traditionellen Verein beizutreten, blieb ihr lange verwehrt – mit Verweisen auf Konventionen und Bekleidungsvorschriften. Manche Schwünge, so hiess es, seien für Frauen in Tracht schlicht unmöglich. Schliesslich fand sie in einem Club in Biel doch eine Möglichkeit, das Handwerkszeug des Fahnenschwingens zu erlernen. Alle diese Erfahrungen wurden zum Ausgangspunkt für ihre Performances: Ein einst militärisches Orientierungszeichen, heute oft mit nationalistischen Narrativen verknüpft, unterzieht sie einer radikalen Neuinterpretation. Statt auf bestehende Insignien zurückzugreifen, erschafft sie ihr eigenes Symbol – aus einem Besenstil und einem Leintuch. Die weisse Fahne, traditionell als Friedenssymbol verstanden, wird zu einer performativen Reflexion über Zugehörigkeit, Ausschluss und die Kraft individueller Widerständigkeit. Im Jahr 2021 zeigte sie erstmals eine Performance mit diesem Element. Seither ist es in zahlreichen Kontexten immer wieder Teil ihrer Arbeit geworden – als wiederkehrende Geste eines künstlerischen Widerstands, die sich stetig weiterentwickelt.
Für ihre neue Werkreihe «Icy Politics» reiste die Künstlerin 2024 nach Paris – Stadt der Liebe, aber auch der Verträge – jenen Ort, an dem sich die Staatengemeinschaft 2015 erstmals völkerrechtlich verpflichtete, die Erderwärmung auf deutlich unter 2° C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. In intensiven Stunden ist es der Künstlerin gelungen, ihre Ideen umzusetzen und ein eindringliches Zeichen für Dialog und Transformation einzufangen – aus Paris bringt sie Bilder mit, die die Verwundbarkeit unserer Welt auf erschütternde und zugleich faszinierende Weise sichtbar machen: Vor der Fontaine des Innocents – einem Ort, der Unschuld im Namen trägt – kauert eine verschleierte Gestalt. In ihren Armen hält sie ein Kind, doch das Kind ist ein schmelzender Block aus Eis. Die ikonografische Anspielung auf die Mater dolorosa ist unübersehbar, doch hier ist es nicht nur der menschliche Körper, der betrauert wird. Es ist die Zeit selbst, die zwischen den Fingern zerrinnt. Das Wasser – Ursprung allen Lebens – wird zum Tränenmeer, zum unaufhaltsamen Verlust. In einer anderen Arbeit berührt das Eis die Stirn der Künstlerin. Ein fragiler Moment der Berührung, des Innehaltens, des Kühlens – als könne Kunst die Hitze der Welt noch für einen Augenblick aufhalten. Hier ist kein lauter Protest, keine Botschaft, sondern eine stille, atmende Metapher, die sich mit jeder Betrachtung neu entfaltet. Mit «Icy Politics» schafft Kiener eine Bildsprache, die über blosse Mahnung hinausgeht. Ihre Werke sind poetische Chiffren der Vergänglichkeit, Spiegel einer Welt im Übergang. Sie zeigen nicht nur, was verloren geht, sondern öffnen einen Raum für Empfindsamkeit – und für die Möglichkeit, noch zu handeln. Mit «Echo der Verwundbarkeit» wird deutlich: Kieners Kunst ist kein abgeschlossener Kommentar, sondern eine offene Einladung zur Auseinandersetzung. Ihre Werke sind Spiegel, Resonanzräume, Herausforderungen – und letztlich ein Appell an die Möglichkeit der Transformation.
Text: Hans Ryser und Barbara Marbot
Einblicke in die Ausstellung 2025
Fotos Dominique Uldry
Presse
Kurzbiografie Barbara Kiener
Performances und Kunstaktionen (Auswahl)
2024 Performance „Icy Politics“ Fontaine des Innocents, Paris
2024 Performance «Close-Distance» Art Salon, Zürich
2024 Performance „Pink Ballon“ Gegen das Schweigen, Kirchenruine Goldswil
2023 Performance „Quasi eine Fahne“ Casa Rusca, Locarno
2023 Performance „History“ Chateau Hornegg, Zürich
2023 Performance „Helvetia“ Helvetiaplatz, Bern
2022 24h Performance „Gewissensbisse“ Bundesplatz Bern
2022 Performance „Shit“ Museum 1, Luzern
2022 Kunstaktion „Geste der Begegnung“ Brücke, Staden VS
2021 24h Performance „Löwenritt“ Löwendenkmal, Luzern
2021 Kunstaktion „blutrotesweiss“ Panzersperren, Wimmis
2021 Performance „Perspective of choice“ Haus für Kunst Uri
2019 Kunstaktion „Pink Kiosk“ oberer Grindelwaldgletscher, Grindelwald
2019 Performance „Miststockzöpfeln, Bahnhofplatz, Bern
Einzelausstellungen (Auswahl)
2024 Kunsthaus Steffisburg, purple, pink and revolution
2023 Dienstgebäude, Zürich
2020 da Mihi Gallery, Bern „imagination is reality“
2019 Galerie Mayhaus, Erlach „invisible Mountain“
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2025 ForumSchlossplatz, Aarau
2024 Kunsthaus Interlaken, Cantonale de Bern Jura
2022 Kunsthaus Interlaken, Cantonale de Bern Jura 2022 Liberte, Freiheit, Freedom, Freiburg
2021 Kunsthalle Luzern
2021 La Nef, Noirmont
2021 Löwendenkmal 21, Kunsthalle Luzern
2020 Kunsthaus Interlaken, Weihnachtsausstellung
Künstlerinnenpersönlichkeit Barbara Kiener
1979 in Zweilütschinen bei Interlaken geboren, wohnt in Interlaken und Zürich. Nach ihrer Karriere als Spitzensportlerin im schweizerischen Alpinskikader bis 1999 entwickelte sie sich autodidaktisch zur Künstlerin in den Bereichen Malerei, Performances, Aktionskunst und Installationen.
Der Werdegang Barbara Kieners ist bemerkenswert: einst Spitzensportlerin im schweizerischen Alpinskikader entwickelte sie sich zu einer Künstlerinnenpersönlichkeit, die sich durch ungezwungen gestische Malerei, grenzgängerische Performances und auffallende, gesellschaftskritische Kunstaktionen künstlerisch artikuliert und im Betriebssystem Kunst durchsetzt. Die Kraft, Kompromisslosigkeit und Körperlichkeit mit der Kiener an ihre Künste herangeht, ist unvergleichlich und einzigartig. Was vor ihrem biografischen Hintergrund nicht wundert: Durch den Sport hat Kiener verinnerlicht, sich mit ungebrochenem Willen und einem Ziel vor Augen zu fokussieren, ihren Körper, die Sinne wie auch den Geist mit den anstehenden Leistungen in Einklang zu bringen, einen individuellen Weg zu bahnen, sich auf die jeweiligen Bedingungen bedingungslos einzulassen und zu Lasten persönlicher Freiheiten ausdauernd zu trainieren und an der Sache zu wachsen. Qualitäten, wie sie für die Kunst ebenfalls gelten: Wo sie ihren Fokus auf die Wunden der Zeit legt, wo sie ganzheitlich exzessiv ihre Konzentration auf die jeweilige Situation vor Ort richtet, wo der Körper kompromisslos der künstlerischen Idee dient, wo persönliche Freiheiten gemeinschaftlichen Anliegen und gesellschaftskritischen Botschaften untergeordnet sind. Kieners Duktus in jeder ihrer Künste ist einer, der den Abwärtszug dieser Gesellschaft zu einem natürlich gebogenen Schwung formt, der dann als wohl dosierter Hieb aus der Spannung entlassen wird, um im nächsten Moment zum nächsten Richtungswechsel in Schwung zu geraten, der stärker als zuvor die Sinnhaftigkeit des Treibens dieser Welt zum Thema hat. Kieners Ziel ist nicht mehr die Geschwindigkeit oder das Siegen. Kiener möchte in ihren Künsten die Talfahrt unserer Gesellschaft übersetzen.
Dr. Karin Mairitsch, 2021, Rektorin der Zürcher Hochschule der Künste
Performances Barbara Kiener
Barbara Kiener, «Berge», 2020, Mischtechnik auf Leinwand, 160 x 240 cm (2-teilig)
Barbara Kiener, «Berge», 2018, Mischtechnik auf Leinwand, 120 cm x 120 cm