Barbara Ellmerer

Malerin, Zeichnerin. Edition von Künstlerbüchern. Internetjournal für Kunst, Sex und Mathematik. Lebt und arbeitet in Zürich.

Ausstellung bei da Mihi
2021 – Ausstellung 12. November bis 18. Dezember
Text
Einladungskarte

SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz

Bild: Einblick in die Ausstellung 2021

Barbara Ellmerer. Malerei  

12. November bis 18. Dezember 2021 

Beim Sezieren stösst sie auf Zellen, Partikel und dringt bis zu den Atomen und ihren Einzelteilen vor. Dabei verwendet sie wissenschaftliche Publikationen. Als Künstlerin jedoch bedient sie sich eigener Rezeptoren, um Kräfte der Natur nachzuvollziehen und in ihrer visuellen Sprache zu erfassen. Sie lässt sich von einer Neugier, in der gleichzeitig Achtung liegt, leiten und bringt mit Pinsel und Farbe die Erhabenheit mikrokosmischer Strukturen auf die Leinwand. 

Barbara Ellmerer (*1956) ist in Meiringen aufgewachsen. Während und nach ihrer Ausbildung an der F+F Schule für experimentelle Gestaltung in Zürich erlebte sie die Revolte der 1980er Jahre hautnah mit – sie war quasi an der Wachrüttelung der Stadt Zürich beteiligt. Ihr Gefühl für Widerständiges, das sich mit Neugier für Naturwissenschaftliches paart, formuliert sie als Künstlerin; ebenso als Mitbegründerin und Co-Autorin des Blogs «Journal für Kunst, Sex und Mathematik», der seit 2006 online ist. Bei ihren Recherchen über Atome interessierte sich die Künstlerin besonders für die antiken Vorstellungen. Zentral wurde für sie Lukrez, der römische Dichter und Philosoph, geboren circa 95 v. Chr. Er beschrieb auf der Basis der epikureischen Naturphilosophie den Aufbau der Welt aus «kleinsten Teilchen», dachte damals bereits über die Bewegung der Atome nach und ging von einer unendlichen Vielzahl von Welten und deren Vergänglichkeit aus. Lukrez führte die Künstlerin zur griechischen Lyrikerin Sappho, die vor 2600 Jahren im kulturellen Zentrum, in Mytilene auf der Insel Lesbos lebte. In ihren Gedichten, die nur fragmentarisch erhalten sind, ist die erotische Liebe thematisch bestimmend. Die Leerstellen und das, was zwischen den Zeilen dieser Fragmente möglicherweise liegt, ist für die Künstlerin eine Antriebskraft: «Sie generiert Bilder und bietet gleichzeitig so viel Freiheit, dass ich dazu malen muss». Daraus ist die Bildserie «Sappho Fragmente» entstanden. Zu sehen sind Leinwände mit rohen Leerstellen, mit farbigen Tuschen geschichtete Strophen, akzentuiert mit klaren Abgrenzungen. In anderen Werken wie Flux Particle, Bos I und II schöpft sie aus dem Unsichtbaren, indem sie mit Silbernitrat arbeitet. Die zunächst transparente Lösung reagiert mit Licht und den verwendeten Ölfarben. Im Verlaufe des Malprozesses entstehen chemische Reaktion und sorgen für überraschende Wendungen. 

Wir begeben uns mit dieser Ausstellung zudem auf Spurensuche nach dem «Erhabenen» im Werk von Barbara Ellmerer. Immer wieder ziehen uns Ausstellungen an, die sich dem Thema annehmen und den durch Immanuel Kant geprägten Begriff in die heutige Zeit übersetzen:
• 1998 «Landschaft. Die Spur des Sublimen», Kunsthalle Kiel, Kunstraum Innsbruck u.a.
• 2006 «the sublime is now!» Das Erhabene in der zeitgenössischen Kunst, Museum Franz Gertsch, Burgdorf 

Welche Kunst kann im Heute als das Erhabene als «Erhebung» über die Sinnlichkeit bezeichnet werden? Das Podiumsgespräch vom 27. November thematisiert diese «Erhabenheit», wird jedoch auch überraschende Einblicke in weitere Spezialgebiete der eingeladenen Gäste ermöglichen. Diese sind: Barbara Ellmerer, Robin Byland und Nadine Olonetzky. 
• Nadine Olonetzky ist die Projektleiterin und Autorin der Monografie von Barbara Ellmerer, Herausgeberin und schreibt u.a. für die NZZ am Sonntag zu Themen aus Fotografie, Kunst und Kulturgeschichte. 
• Robin Byland ist Kunsthistoriker und wissenschaftlicher Assistent am Kunstmuseum Solothurn. Demnächst erscheint seine Publikation «Schwarzes Licht, Positionen des Erhabenen in der zeitgenössischen Kunst». 
(Dieses Gespräch musste aufgrund von Corona-Erkrankungen kurzfristig abgesagt werden.)

Die Ausstellung ist in Anlehnung an die aktuelle Monografie zu Barbara Ellmerer Werk «Sense of Science. Paintings» konzipiert. Wir zeigen ihr Werk in der gesamten Spannweite vom Makro- bis zum Mikrokosmos. Angefangen bei floralen Werken, sogenannten «Lockdown Bouquets», weiter zu Gemälden und Zeichnungen aus dem Mikrokosmos, welche Energie in Zellen und Atomen thematisieren. Sie tragen Titel wie «Atommodell Lukrez, «Atmo», «Atomjumps», «Organell», «Particules minuscules», «Elektr.», «Flux Particle» und «Bos». Eine weitere Serie nennt sich «Sappho Fragmente», in Anlehnung an die Griechische Lyrikerin Sappho. Uns fasziniert, wie die Künstlerin vor dem Hintergrund ihrer bewegten, aussergewöhnlichen Geschichte stetig ihr Oeuvre entwickelt. Wir können es kaum erwarten, ihr Werk mit Ihnen zu teilen. 
Barbara Marbot und Hans Ryser 

Einblicke in die Ausstellung 2021

Fotos Dominique Uldry

Buchpräsentation am Freitag, 12. November 2021, 14.00 - 19.00 Uhr

 Barbara Ellmerer, «Sense of Science. Paintings», 

erschienen im Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich

Abbildung 1: Barbara Ellmerer, Wink, 2021, Öl auf Leinen, 200 x 150 cm

Abbildung 2: Barbara Ellmerer, Particules minuscules XXXI, 2021, Öl, Lackfarbe und Silbernitrat auf Baumwolle, 18 x 24 cm 

Fotos: Gerold Hänggi