Urs Stooss
Maler und Zeichner. Innenarchitekt.
Lebt und arbeitet in Bern.
Ausstellungen bei da Mihi
2026 – Urs Stooss – Ohne Drohne
14. August bis 26. September
Vernissage: 14. August, 18.00–20.00 Uhr
2024 – Urs Stooss – Orten / Zeiten
2022 – Urs Stooss, Text zur Ausstellung
SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz
Abbildung: Urs Stooss, «Square with blue Car», 2026, Pigmentdruck und Acryl auf Leinwand, 80 x 80 cm
Herzliche Einladung zur kommenden Ausstellung und zur Vernissage
Urs Stooss – Ohne Drohne
14. August bis 26. September 2026
Abbildung: Urs Stooss, «Deerfield», 2026, Pigmentdruck und Acryl auf Leinwand, 90 x 130 cm
Mit der Ausstellung «Ohne Drohne» präsentiert die Galerie da Mihi neue Arbeiten des Berner Künstlers Urs Stooss. Der Titel ist programmatisch und verweist auf die Abneigung des Künstlers gegen jene technisch erweiterten Blickregime, die unsere visuelle Gegenwart zunehmend prägen. Während Drohnenaufnahmen heute eine scheinbar allwissende, entkörperlichte Perspektive ermöglichen, bleibt Stooss auf der Suche nach einem erhöhten Standpunkt, um seine Motive aus der Vogelperspektive ablichten zu können. Dafür klettert er auf Gebäude und Balkone, erklimmt Türme oder andere Aussichtspunkte und bringt seine Kamera in Stellung.
Vernissage
Freitag, 14. August 18.00–20.00 Uhr
Kurzeinführung um 18.30 Uhr
Der Künstler ist anwesend:
Donnerstag, 20. August 17.00–20.00 Uhr
Samstag, 29. August 14.00–17.00 Uhr
Finissage
Samstag, 26. September 14.00–17.00 Uhr
Der in Bern und Zürich bestens bekannte Künstler Urs Stooss trat im Winter 2021 erstmals persönlich in unser Leben. Die Pandemie hatte vieles zum Stillstand gebracht, aber auch Unerwartetes möglich gemacht. In dieser besonderen Zeit kreuzten sich unsere Wege. Aus einem Gespräch wurde eine Ausstellung, aus einer Ausstellung eine Vertrauensbasis, aus einer Vertrauensbasis entsprang ein Funke für eine wunderbare Zusammenarbeit. Wir haben den Künstler zunächst als Flâneur wahrgenommen – ähnlich wie sich Charles Baudelaire in seiner «Poesie als Botaniker des Boulevards» verstanden hat, doch Urs Stooss wählt den Blick von oben.
Mit der aktuellen Ausstellung «Ohne Drohne» setzen wir eine aktuelle Seite seines Schaffens ins Zentrum: die Perspektive und der Realraum der künstlerischen Wahrnehmung – ein bewusstes Gegenbild zur entkörperlichten Sicht, die keinen Ort, keine Verwundbarkeit, keine Beziehung kennt und ohne Bewusstsein ist. Urs Stooss hingegen verankert sich und seinen Blick im Realraum, in der Nähe oder in der Ferne, im Spüren der Bildkomposition. Seine Malerei entsteht nicht aus einer neutralen Distanz, sondern aus einer selbst gewählten und eingenommenen Perspektive, hier lässt er sich ein, hier schwingt er mit, hier ist er bewegt. So wird die Ästhetik der Bewegung zu einem zentralen Motiv: Die von ihm gewählten Figuren sind nie statisch; sie rudern, gleiten, spazieren – und mit ihnen bewegt sich auch der Blick des Künstlers, der die Welt nicht von oben aus abstrahiert, sondern aus der lebendigen Erfahrung formt.
Auf dem Titelbild ist eine Strandszene zu sehen, weit verstreut über eine fast blendend helle Fläche, die mehr Licht als Landschaft ist. Die Figuren wirken wie zufällig gesetzt: Menschen in Badekleidung, einige mit Surfbrett, andere mit Taschen oder Handtüchern, ein Hund, der sich neugierig einem Menschen zuwendet. Nichts drängt sich auf, nichts erzählt laut. Die Szene entfaltet sich in einer ruhigen, offenen Weite, in der jede Figur ihren eigenen kleinen Radius von Bewegung und Bedeutung besitzt.
Gerade diese Leichtigkeit der Sichtbarkeit, die doch so handfest erscheint, macht deutlich, wie sehr Urs Stooss seinen Blick im Realen verankert und nicht in einer abstrakten, schwebenden Distanz. Er behauptet keine Neutralität, kein «von nirgendwo». Stattdessen zeigt er Menschen, die Gewicht haben, Schatten werfen, Wärme spüren. Ihre Bewegungen sind lesbar, ihre Präsenz ist real.
So wird das Strandleben zu einem stillen Gegenentwurf einer entkörperlichten Sicht: Es zeigt keine Welt, die von oben analysiert wird, sondern eine Welt, die in ihrer sinnlichen Erfahrung ernst genommen wird. Es sind lebendige Protagonisten eines Moments, der vom Künstler gewählt wurde, der sich ihnen genähert hat, eine Beziehung gesucht hat und der von Bewegung getragen wurde.
In den neuesten Arbeiten tauchen erneut Darstellungen sportlicher Aktivitäten auf – Rudern, Tennis, Hula-Hoop, Leichtathletik und Beachsoccer. Es sind Bilder, die weniger das Ereignis feiern als die Struktur der Bewegung selbst: Rhythmus, Wiederholung, Übergang. Die Körper erscheinen in Momenten der Konzentration, im Dazwischen, wo Bewegung sich formt, bevor sie sichtbar wird. Stooss’ Auseinandersetzung mit seriellen Bewegungsstudien in den 1990er Jahren – inspiriert von Eadweard Muybridge – klingt hier leise nach. Muybridge wurde im späten 19. Jahrhundert zu einer Schlüsselfigur der Kunst- und Bildgeschichte, weil er als Erster Bewegungsabläufe in fotografische Sequenzen zerlegte und damit sichtbar machte, was dem Auge in seiner Trägheit entgeht.
In den aktuellen Arbeiten von Urs Stooss trägt jede sportliche Geste eine implizite Serialität in sich: der wiederholte Aufschlag, das kreisende Becken, das Hin und Her des Tennisballs. Stooss übersetzt diese realen Muster in Kompositionen, die Bewegung nicht abbilden, sondern andeuten, fragmentieren, überlagern – als würden mehrere Phasen eines Ablaufs gleichzeitig im Bildraum aufscheinen.
Als quasi Kontrastprogramm widmet sich Stooss erneut der Ferienhaussiedlung «Peyton Place». Die streng geometrische Ordnung dieser Häuserzeilen – eigentlich ein Sinnbild von Stillstand und Gleichförmigkeit – wird bei ihm durch Farbe in Bewegung versetzt. Die Dächer, Fassaden und Schatten beginnen zu vibrieren, als würde die Struktur selbst atmen. Stooss interessiert hier nicht der Ort, sondern die innere Dynamik des Rasters: Wie Wiederholung Rhythmus erzeugt, wie Ordnung kippt, sobald Farbe Spannung aufbaut. So entsteht ein Gegenpol zu seinen körperlichen Bewegungsstudien – ein aus dem Realraum übertragener Kunstraum, der sich bewegt, obwohl sich kaum etwas bewegt.
Seine Arbeiten erinnern daran, dass Sehen kein neutraler Vorgang ist, sondern ein Prozess, der Zeit, Körper und Erfahrung einschliesst. Die Ausstellung «Ohne Drohne» lädt dazu ein, diesen Prozess neu zu entdecken und die eigene Wahrnehmung zu schärfen.
Urs Stooss wurde 1943 in Bern geboren und liess sich in Genf zum Innenarchitekten ausbilden. Seit 1970 ist er als freischaffender Künstler tätig. Seine Werke sind regelmässig in Ausstellungen zu sehen und in bedeutenden öffentlichen Sammlungen vertreten. Stooss wurde 1972 mit dem Aeschlimann Corti-Stipendium der Stadt Bern und 1971, 1973 und 1976 mit dem Eidgenössischen Kunststipendium ausgezeichnet.
Text: Barbara Marbot und Hans Ryser
Urs Stooss – Orte / Zeiten
1. November bis 14. Dezember 2024
Abbildung: Urs Stooss, «Peyton Place», 2024, Pigmentdruck und Acryl auf Leinwand, 110 x 80 cm, Foto: Dominique Uldry
Wir freuen uns sehr, Sie zur zweiten Ausstellung von Urs Stooss in die Galerie einzuladen. Seinen Themen bleibt er treu: den Menschen, ihren Behausungen und gelegentlich ihren Tieren. Uns fasziniert, wie Stooss seine zufälligen Fotos, die im Sinne der Street-Photography entstehen, in finale Werke verwandelt. Während des komplexen Verfahrens platziert der Künstler seine Protagonisten wie ein Regisseur und erzeugt damit verschiedenste Stimmungen, die den Betrachtenden eine eigene Interpretation ermöglichen. Kommen
Sie vorbei und entdecken Sie Klassiker und überraschende Neuigkeiten.
Der Berner Künstler Urs Stooss ist ein malender Street-Fotograf. Er durchstreift Strassen, Plätze und Strände stets auf der Suche nach einem erhöhten Standpunkt, von dem aus er seine Motive aus der Vogelperspektive ablichten kann – Menschen, die er möglichst unbemerkt fotografiert. Dafür klettert er auf Gebäude und Balkone, erklimmt Türme oder andere Aussichtspunkte und bringt seine Kamera in Stellung. Auf seinen fotografischen Streifzügen rund um die Welt hat Stooss eine riesige Bilddatenbank aufgebaut, geordnet nach Orten und Zeiten, die ständig erweitert wird.
Im Atelier wertet er die Aufnahmen aus und beginnt seine einzigartige Bildkomposition. Zunächst auf dem Bildschirm arrangiert Stooss die Menschen, mal in Gruppen, mal einzeln, die sich zu neuen Formationen zusammenfinden; sie spielen, fahren Rad oder gehen spazieren. Wie ein Regisseur auf einem Filmset platziert er seine Figuren in der Komposition. Durch das Blow-up, die Vergrösserung, verlieren sie ihre individuellen Merkmale; reduziert auf Körperhaltung und Umrisse, bleibt allein die menschliche Bewegung charakteristisch. So überträgt er sie auf Leinwände mit edlem Gold-, Silber- oder Perlmuttgrund – nur die Schatten begleiten die Figuren.
Sein Werk steht in der Tradition des Flâneurs, jedoch mit einer deutlich transformierten Perspektive. Während sich Charles Baudelaire in seiner Dichtung als «Botaniker des Boulevards» verstand und seine Beobachtungen wie unter einem Mikroskop sezierte, wählt Urs Stooss den Blick von oben, löst seine Sujets aus ihrem ursprünglichen Kontext und versetzt sie in eine neuartige Realität. Darüber hinaus knüpft er an ikonisch gewordene Figurenkonstellationen an, die seit den Impressionisten bis in die zeitgenössische Kunst hinein ein zentrales Motiv geblieben sind. Sein « Déjeuner sur l’herbe» knüpft locker an Édouard Manets Meisterwerk an und bleibt doch ganz dem eigenen künstlerischen Ausdruck verbunden. Formal orientiert sich Stooss eher an angelsächsischen Malern wie Edward Hopper oder Wayne Thiebaud und insbesondere an der amerikanischen Street-Photography.
Der Kultfilm «Blow- Up», ein Thriller aus dem Jahre 1966 von Michelangelo Antonioni, hat nach eigenen Angaben des Künstlers ebenso einen massgeblichen Einfluss auf ihn ausgeübt: Ein zunehmend von der Modefotografie als künstliche Realität ernüchterter Fotograf beginnt einen Bildband mit Strassenfotografie. Bei seinen Streifzügen fotografiert er ein sich küssendes Paar. Beim Entwickeln des Filmes in der Dunkelkammer entdeckt er eine geheimnisvolle Hand mit Revolver und einen toten Mann im Gebüsch. Erst der Blow-up fördert im Film das Verbrechen zutage. Fotografie als Spiel der Realitätsebenen, das beherrscht auch Stooss. Doch bei ihm bedeutet Blow-up nicht Erkennen, sondern Verlust von Identität.
Dann erst entfaltet sich die Magie seiner Malerei und emanzipiert sich von der fotografischen Vorlage. Stooss nimmt seine künstlerischen Mittel ernst: Besonders hervorzuheben ist die Behandlung der Schatten, die eine wichtige Rolle in der Bildkomposition spielen und eine effektvolle Tiefenwirkung erzeugen. Die Figuren erscheinen leicht verschwommen, die lasierende Farbgebung ihrer Kleidung lässt lediglich Rückschlüsse auf Geschlecht oder Alter zu. Jahreszeiten oder geografische Verortungen der Szene bleiben angedeutet. Auch im Bildgrund zeigt sich die Meisterschaft von Urs Stooss: Seine monochromen Leinwände negieren jeglichen Raum ausserhalb des Bildes und lassen keine Hinweise auf Orte, Architektur oder Landschaften zu. Der Künstler kreiert so einen anonymen Raum mit unfassbaren Dimensionen. Die Wirkung der Bildgrundfarben Gold, Silber und Perlmutt entdeckte Stooss in Rom während eines Studienaufenthaltes in den 1970er Jahren. Seitdem verwendet er diese edlen Töne, die er selbst mit Pigmenten und Bindemitteln herstellt, um Spiegelungen und Reflexionen mit Tiefenwirkung zu erzeugen.
Parallel zu den neuesten Arbeiten von Urs Stooss präsentieren wir eine Einzelausstellung von Marie-Françoise Robert. Sie verbindet eine langjährige Bekanntschaft, denn ihre Wege haben sich an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder gekreuzt.
Bei den jüngsten Atelierbesuchen von Stooss und Robert tauchten die Beiden in eine gemeinsame Zeit im Kunstmuseum Bern ein. Dabei erinnerten sie sich an die Atmosphäre und den Charakter des Museums damals sowie an die Entstehung und Bedeutung der gezeigten Ausstellungen. Urs Stooss arbeitete zu dieser Zeit als Graphic Designer und Marie-Françoise Robert als Assistentin (früher Sekretärin). Sie erzählten von der aussergewöhnlichen Zusammenarbeit mit Jürgen Glaesemer, der als Konservator die Grafische Sammlung und die Paul Klee-Stiftung leitete. Mit einem kleinen, aber engagierten Team realisierten sie beeindruckende Ausstellungen wie «Der junge Picasso – Frühwerk und blaue Periode» (1984), «Traum und Wahrheit. Deutsche Romantik aus Museen der Deutschen Demokratischen Republik (1985)» oder «Die Gleichzeitigkeit des Anderen» (1987). Diese gemeinsame Zeit im Kunstmuseum Bern hat einen reichen Erfahrungsschatz hinterlassen, der die beiden Einzelausstellungen in der Galerie da Mihi auf eine tiefere, emotionale Weise miteinander verbindet.
Urs Stooss wurde 1943 in Bern geboren und liess sich in Genf zum Innenarchitekten ausbilden. Seit 1970 ist er als freischaffender Künstler tätig. Seine Werke sind regelmässig in Ausstellungen zu sehen und in bedeutenden öffentlichen Sammlungen vertreten. Stooss wurde 1972 mit dem Aeschlimann Corti-Stipendium der Stadt Bern und 1971, 1973 und 1976 mit dem Eidgenössischen Kunststipendium ausgezeichnet.
Hans Ryser und Barbara Marbot
Ausstellung von Urs Stooss in der Kulturpresse
Urs Stooss – Orte / Zeiten
Werke, die in der Ausstellung gezeigt wurden:
No 33
Urs Stooss
«Before the Parade», 2024
Pigmentdruck und Acryl auf Leinwand
150 x 150 cm
No 41
Urs Stooss
«campo azzuro»
Pigmentdruck und Acryl auf
Leinwand
71 x 101 cm
No 40
Urs Stooss
«Passaggio», 2024
Pigmentdruck und Acryl auf Leinwand
90 x 90 cm
No 52
Urs Stooss
«Piazza mit Lambretta», 2024
Pigmentdruck und Acryl auf Leinwand
150 x 150 cm
No 16
Urs Stooss
«Heat», 2024
Pigmentdruck und Acryl auf Leinwand
100 x 100 cm
No 18
Urs Stooss
«Mojave», 2024
Pigmentdruck und Acryl auf
Leinwand,
55 x 120 cm
No 31
Urs Stooss
«Celeste», 2023
Pigmentdruck und Acryl auf Leinwand,
63 x 112 cm
No 17
Urs Stooss
«Pastorale», 2016 / 2024
Pigmentdruck und Acryl auf Leinwand
111 x 91 cm