Urs Stooss

Maler und Zeichner. Innenarchitekt.
Lebt und arbeitet in Bern.

Ausstellung bei da Mihi

19. August - 24. September 2022
Text zur Ausstellung

SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz

Fotos (unten): Dominique Uldry

Urs Stooss

19. August bis 24. September 2022

 

Der Künstler hat Menschen bei seinen weltweiten Streifzügen mit der Kamera fotografiert. Er hat sie von oben aufgenommen, er hat sie von der Seite aufgenommen, hat ihre persönlichen Merkmale wegretuschiert, sie auf ihre Körperhaltung und ihre Bewegung reduziert. Die Figuren erscheinen leicht verschwommen, die lasierend aufgetragene Farbe ihrer Kleidung lässt lediglich Rückschlüsse auf Geschlecht oder Alter zu. Nur zu erahnen sind noch Jahreszeiten oder geografische Verortungen der Szenerie. 


Was haben Menschen, Regenschirme, Bälle, Tiere oder Boote und Ruderer wohl gemeinsam, dass sie als wiederkehrende Motive Eingang in das Werk finden? Urs Stooss entindividualisiert seine Sujets, sie verlieren ihre Eigentümlichkeit, die Banalität des Realen, in der sie vorgefunden wurden, weicht dem Zauber der Malerei. 


Er nimmt die malerischen Mittel, die ihm zur Verfügung stehen, sehr ernst. Beeindruckend ist die Behandlung der Schattenwürfe der Figuren und Gegenstände, die eine wichtige Rolle in der Bildkomposition spielen und eine effektvolle Tiefenwirkung erzielen. Zu den klassischen Mitteln der Malerei zählt auch der Bildgrund und hier zeigt sich die Meisterschaft von Urs Stooss. Seine monochromen Leinwände negieren einen Raum ausserhalb des Bildes, keine Rückschlüsse auf Orte, Architektur oder Landschaften sind möglich. Der Maler kreiert einen anonymen Raum, dessen Dimensionen nicht fassbar sind. Die Menschen in den Bildern von Urs Stooss sind Fremde und sie bleiben fremd. Der Künstler ist mit seiner Kamera weltweit auf Motivsuche. Er fotografiert nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Gebäude, Boote und retuschiert ihre persönlichen Merkmale weg. 


Die Figuren und Motive in Urs Stooss Bildern basieren auf seinen fotografischen Vorlagen, die in einem komplexen, mehrstufigen Herstellungsverfahren entstehen, wobei die einzelnen Sujets zuerst am Computer bearbeitet werden. Stooss kreiert «Handlung» indem er z. B. einzelne Figuren miteinander in Beziehung setzt und dadurch eine bildliche Realität konstruiert. In einem weiteren Arbeitsschritt werden die Figuren oder andere Motive auf die meist grossformatigen Leinwände gedruckt und danach mit Pinsel und Farbe bearbeitet. 

 

Die Wirkung der Bildgrundfarben Gold, Silber und Perlmutt entdeckte Stooss in der ewigen (goldenen) Stadt Rom während eines Studienaufenthaltes in den 1970er Jahren. Seither verwendet er die edlen Farben, die er selbst mit Pigmenten und Bindemittel herstellt. Mit der Wahl von solch schimmernden Farben schafft Stooss in seinen Gemälden Spiegelungen und (Licht-) Reflexionen mit enormer Tiefenwirkung. 

 

In der Artlounge zeigt Urs Stooss Wort-Assemblagen, die er in Schmetterlingskästen mit Fundstücken oder Tieren kombiniert. Auch hier spielt die Farbe Gold eine wichtige Rolle. Seine Wortbilder hat er direkt aus monochrom-goldenen Leinwänden herausgeschnitten, andere Buchstaben sind aus Holz und aufgeklebt. 

 

Urs Stooss wurde 1943 in Bern geboren und liess sich in Genf zum Innenarchitekten ausbilden. Seit 1970 ist er als freischaffender Künstler tätig. Seine Werke sind regelmässig in Ausstellungen zu sehen und in bedeutenden öffentlichen Sammlungen vertreten. Stooss wurde 1972 mit dem Aeschlimann Corti-Stipendium der Stadt Bern und 1971, 1973 und 1976 mit dem Eidgenössischen Kunststipendium ausgezeichnet. 

 

Eva Bigler