Gildas Coudrais

Hinterglasmalerei und Zeichnung
 *1975 in Cholet FR, lebt und arbeitet in Berlin DE.


Ausstellungen
2026 – Vernissage: Freitag, 12. Juni, 18.00–20.00 Uhr
(weitere Informationen untenstehend)

2022 – Hinterglasmalerei 

2018 – Lost Parade
2017 – EROS, Gruppenausstellung
2017 – TRANSIT–Reality, Gruppenausstellung
2015 – ICONS (for beautiful people)
2014 – You are in a Beauty contest every day of your life

Webseite Gildas Coudrais

Gildas Coudrais – Take-off 

12. Juni bis 9. August 2026

Abbildung 1: Akt des Künstlers selbst, der seine Kleiderbügel-Werke 
 in einer Garderobe vor idyllischer Landschaft installiert, 2026.


It's a summer exhibition und zwar mit einem Augenzwinkern, einem Hauch Übermut und der leichten Brise, die durch Gildas Coudrais’ Arbeiten weht. In seinen neuesten Hinterglasmalereien und Zeichnungen leuchtet die warme Jahreszeit auf – verspielt, sinnlich, manchmal frech. Wer genauer hinschaut, entdeckt darin eine subtile, lustvolle Anspielung auf den Titel der Ausstellung.

Für die Galerie da Mihi ist Coudrais ein Künstler der ersten Stunde. Bereits 2012 stellten wir seine Arbeiten erstmals aus, damals noch in einem «Pop-Up». Im leergeräumten Anlikerhaus am Bubenbergplatz leuchteten lebensgrosse Hinterglasmalereien mit Konterfeis von Heidi Klum bis Ulrike Meinhof. In der aktuellen Ausstellung sind die Formate handlicher, doch Coudrais bleibt vordergründig hintergründig.

 

Vernissage

Freitag, 12. Juni 18.00 - 20.00 Uhr
Kurzeinführung um 18.30 Uhr

 

Öffentliche Führungen

Donnerstag, 18. Juni 19.00 – 19.30 Uhr

Samstag, 25. Juli 18.00 – 18.30 Uhr

 

Finissage «Matinée»

Sonntag, 9. August 10.00 - 12.00 Uhr

 

Die Galerie da Mihi freut sich, erneut Arbeiten des französisch-deutschen Künstlers Gildas Coudrais (*1975, lebt und arbeitet in Berlin) zu präsentieren. Coudrais hat sich in den vergangenen Jahren mit einer eigenständigen, unverwechselbaren Bildsprache international etabliert; seine Werke wurden unter anderem in Los Angeles (Villa Aurora), Paris (Galerie BOA), Berlin (Galerie Gesellschaft; Galerie Kornfeld, Serpen Gallery), und im Rahmen des Private Art Concepts in Wien, Hamburg, München und weiteren europäischen Städten sowie wiederholt in Bern gezeigt.

Mit der Ausstellung «Take-off» hebt der Künstler ab, verweist auf Aufbruch, Leichtigkeit Transformation und Entrücktheit. Spielerisch wie reflektiert setzt er sich mit typischen Motiven des Sommers auseinander, die er auf Hinterglasmalereien bannt und in flüchtigen Zeichnungen festhält.

 

In der aktuellen Ausstellung wird unter anderem die neue Werkserie «Les habits d’Amnésie» präsentiert. Diese Arbeiten entstehen als eine Art imaginäres Tagebuch. Jeden Morgen wird ein neues Bild komponiert, so wie er sich sein tägliches Outfit zusammenstellt. Und wir beobachten den Künstler dabei. Das Bildmotiv stammt aus Social-Media-Kanälen, kombiniert mit einer Schlagzeile aus der New York Times. Beides fügt er in eine Umgebung, die sich mit jedem Tag wandelt. So ergeben sich ironisch, surrealistische Bilder, ausgeführt als Hinterglasmalerei, in eigens geformten Trägern. 

An Kleiderbügeln befestigt und wie Kleidungsstücke präsentiert – unterläuft Coudrais die Grenze zwischen Bild und Objekt bewusst. Inhaltlich knüpft er hier an eine kunsthistorisch bedeutende Tradition der Fragmentierung des Körpers an, wie sie z.B. im Surrealismus – entwickelt wurde. Der Körper ist nicht länger eine geschlossene, idealisierte Einheit, sondern Aggregat von Empfindungszonen, Träger von Erinnerungen und Projektionen.

 

Ein wiederkehrendes Motiv sind dabei auch die von Coudrais ikonisch behandelten Darstellungen weiblicher Brüste. Hinter verformtem Plexiglas gemalt, in unterschiedlichen Grössen und Formen, oszillieren sie zwischen Intimität, Objekthaftigkeit und Selbstermächtigung. In ihrer gleichsam ironischen Brechung wie kritischen Setzung sind sie als Kommentar gegenwärtiger gesellschaftlicher Diskurse um Körperbilder, Öffentlichkeit und Moral zu lesen – nicht zuletzt als subtile Persiflage auf einen erstarkenden Neokonservatismus.

 

Eine weitere Werkgruppe umfasst grossformatige, farbige Zeichnungen von Swimmingpools. Coudrais gelingt es hier, die komplexen optischen Phänomene von Wasseroberflächen präzise und zugleich atmosphärisch zu erfassen: die gebrochenen Raster von Mosaikböden, die flirrenden Lichtreflexe sowie Spiegelungen von Vegetation und Architektur sind mehr als sommerliche Sehnsuchtsorte. Kunsthistorisch lässt sich dieses Interesse etwa mit den ikonischen Pool-Darstellungen von David Hockney in Verbindung bringen. Während Hockney jedoch häufig die Szene als Ganzes inszeniert, wählt Coudrais den stark reduzierten Bildausschnitt. Durch diese Fokussierung entsteht eine überraschend intensive, beinahe immersive Bildwirkung, die weniger auf Narration als auf Irritation zielt. Die sommerliche Leichtigkeit wird im wahrsten Sinne des Wortes gebrochen.

 

Zentral für Coudrais’ künstlerische Praxis ist die experimentelle Verbindung von Malerei und Material. Häufig arbeitet er hinter verformtem Plexiglas, das er in organische, reliefartige Strukturen zwingt. Es fungiert damit nicht lediglich als Bildträger oder Schutzschicht, sondern wird zum konstitutiven Bestandteil des Werkes: Hier brechen, verzerren sich die gemalten Motive, werden überlagert wie von einer zweiten Haut und so erzeugt er ein komplexes Spannungsverhältnis zwischen Nähe und Distanz. Der Blick der Betrachter:innen wird so auf Körper gelenkt, die zugleich präsent sind und doch entzogen scheinen.

 

Inhaltlich kreisen Coudrais’ Arbeiten um Fragen von Identität, Körperlichkeit und kultureller Codierung im Kontext einer medial geprägten Gegenwart. Seine Figuren wirken unmittelbar und expressiv, oft mit einem subversiven, ironischen Unterton, ohne dabei die Verletzlichkeit des Dargestellten preiszugeben. Die Ambivalenz zwischen Intimität und Inszenierung, zwischen Fragment und Ganzheit bildet dabei ein zentrales Momentum seines Œuvres. Die Voraussetzung für seine malerische Leichtigkeit ist die stupende altmeisterliche Maltechnik, seine Motive hinter Glas detailgetreu darzustellen. Hinterglasmalerei gilt als eine der anspruchsvollsten Techniken, da sie ein umgekehrtes Vorgehen (spiegelverkehrt, Vordergrund vor Hintergrund) erfordert und keine Korrekturen zulässt. Der Malprozess erfolgt von hinten nach vorne, was präzise Planung durch Skizzen (Risse) nötig macht. Fehler sind kaum korrigierbar und die Trocknungszeiten zwischen den Schichten erfordern Geduld. Es ist faszinierend zu erleben, wie Coudrais handwerkliche Meisterschaft mit seinen aktuellen Kunstthemen paart.  

 

Text: Barbara Marbot und Hans Ryser
März 2026

Gildas Coudrais – Hinterglasmalerei

11. November bis 17. Dezember 2022

Vernissage
Freitag, 11. November, 17.00 - 20.00 Uhr

Öffentliche Führungen
Samstag, 12. November, 14.00 - 14.30 Uhr
Donnerstag, 17. November, 18.00 - 18.30 Uhr
Freitag, 2. Dezember, 18.00 - 18.30 Uhr
Samstag, 10. Dezember, 16.00 - 16.30 Uhr

Finissage
Samstag, 17. Dezember, 14.00 - 17.00 Uhr

Gildas Coudrais ist für uns ein Künstler der ersten Stunde. Bereits 2012 stellten wir seine Arbeiten erstmals aus, damals war die Galerie da Mihi noch ein Pop-Up im leergeräumten Anlikerhaus am Bubenbergplatz. Coudrais‘ Arbeiten sind hinter Glas gemalt, manche auch auf verformtem Acrylglas. Die Wahl der altmeisterlichen Technik in Kombination mit frechen Anleihen an die Kunstgeschichte, von der Pop-Art bis zur Konzept-Kunst, ist Programm. Der Künstler lässt sich von grossen Meistern wie Caravaggio oder Rubens inspirieren, aber seine Kunst bleibt sozialkritisch mit einer Prise Humor.

Bild: Gildas Coudrais, Portrait d‘une femme aigre-doux, 2022, 
Öl auf Acrylglas, Blattgold (22 kt), Lightbox, Holzrahmen, 65 x 65 cm

Gildas Coudrais

Three Apostles – Once – Hot – Fair
2022, oil on acrylic, light box, gold leaf (22c.), 120 x 80 cm)