Michael Streun
Malerei
(*1965) lebt und arbeitet in Thun
Ausstellung bei da Mihi
2026 – «Michael Streun – Paradigma» (siehe unten)
2024 – Art Salon Zürich
SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz
Abbildung: Michael Streun, «Paradigma», 2024, Öl auf Holz, 33.9 x 27.6 cm
Michael Streun – Paradigma
9. Januar bis 28. Februar 2026
Wir laden Sie herzlich ein zur ersten Ausstellung des international bekannten Künstlers Michael Streun in der Galerie da Mihi. Der 2025 mit dem Kunstpreis der Stadt Thun ausgezeichnete Künstler entfaltet in seiner surrealen Malerei ein Spannungsfeld zwischen Traum und Wirklichkeit und verbindet Bildtraditionen mit zeitgenössischer Bildkritik.
Vernissage
Freitag, 9. Januar 18.00 - 20.00 Uhr
Kurzeinführung um 18.30 Uhr
Berner Galerien-Wochenende 2026
Samstag / Sonntag, 17./18. Januar, jeweils 11.00 - 17.00 Uhr
Der Künstler ist anwesend.
Künstlergespräch
Barbara Marbot im Gespräch mit Michael Streun
Donnerstag, 29. Januar, 19.00 - 19.30 Uhr
Der Künstler ist anwesend
Donnerstag, 29. Januar, 16.00 - 20.00 Uhr
Samstag, 14. Februar, 12.00 - 16.00 Uhr
Finissage
Samstag, 28. Februar, 14.00 - 17.00 Uhr
Michael Streun (*1965, Bern), Maler, Zeichner und Objektkünstler, erschafft Bildräume, in denen Traum und Realität auf den Leinwandflächen zu multidimensionalen, emotional aufgeladenen Topografien verschmelzen. Seine farbintensiven, utopisch-surrealen Kompositionen entfalten eine Tiefenwirkung, die unser Wahrnehmen herausfordert und zum Nachdenken anregt. Streuns Werke sind inspirierende Denklandschaften, die grundlegende gesellschaftspolitische Themen aufwerfen, ohne die poetische Kraft und ästhetische Schönheit zu vernachlässigen.
Bei unserem Besuch in Michael Streuns Atelier in Thun stehen wir vor einem, noch im Entstehen begriffenen imposanten Werk: Mit seinen Massen von 200 x 320 cm gehört es zu den grossen Formaten, die seit dem Abstrakten Expressionismus für zeitgenössische Kunst richtungsweisend wurden. Der Bildraum ist erfüllt von konzentrierter Energie – ein visuelles Manifest nimmt Gestalt an. Die Komposition zeichnet ein Zukunftsbild, in dem junge Menschen die Welt neu erfinden und malend entwerfen mit Farben, die von morgen erzählen. Ein Hoffnungsfunke springt über – nicht nur metaphorisch, sondern als künstlerisches Gestaltungsprinzip. Gerade weil seine Bildsprache tief berührt und seine Visionen in uns nachhallen, widmen wir dem Künstler eine Einzelausstellung in Bern. Streuns Kraft und Poetik lässt die Geheimnisse des menschlichen Miteinanders leuchten.
Das neue Werk mit dem Titel «Der Damm» fasziniert als poetisches Tableau zwischen Traumwelt und komplexer Topografie. Drei jugendliche Figuren, in leuchtendem Gelb und tiefem Violett gekleidet, agieren in einer surrealen Landschaft mit pulsierendem Wasserlauf. Ihre überdimensionierten, raketenartige Objekte beinhalten die Sprengkraft schöpferischer Möglichkeiten – Instrumente des Denkens und der Imagination. Die Szene wirkt wie ein eingefrorener Moment kollektiver Kreativität, in dem Natur und Geist ineinanderfliessen. Der Damm im Hintergrund erscheint durchlässig wie eine kristalline Gedankenformation, während der fragmentierte Himmel die Zersplitterung der Wahrnehmung spiegelt. Die Figuren agieren auf dem Wasser – ein flüchtiges Medium, das sich jeder Fixierung entzieht. Diese Gesten lassen sich auch lesen als poetischer Akt der Selbstvergewisserung und des Widerstands.
Im Werk «Richtungswechsel» begegnen wir fünf Personen in einer fluiden, schillernden Landschaft. Sie sind vertieft in ein gemeinsames Tun, während leuchtende, pfeilartige Fragmente durch den Raum fliegen. Die Objekte werden aufgefangen oder geworfen und scheinen eine eigene Dynamik zu entwickeln, als suchten sie selbst nach Orientierung. Die Personen wirken, als wollten sie aus diesen Zeichen etwas Zukünftiges gestalten und Koordinaten des Zusammenlebens finden. Die Dynamik ist getragen durch gemeinsames Handeln, das Wandel bedingt, alte Gewissheiten hinterfragt und neue Denkmodelle wie kraftvolle Papierflieger aufsteigen lässt.
Der Ausstellungstitel «Paradigma» verweist auf die Grundmuster unseres Denkens und auf Strukturen, die unsere Sicht auf die Welt prägen. Streuns Werke greifen diese Idee auf: Sie zeigen junge Menschen, die buchstäblich kreative Paradigmen entwerfen – sie trotzen den Regeln der Physik, bewegen sich auf Wasser und auf Luft, in imaginären Landschaften. Die Bilder laden dazu ein, die Welt als gestaltbares, offenes System zu begreifen. «Paradigma» wird so zum Sinnbild einer Zeit, in der sich künftige Formen des Zusammenwirkens und Denkens herausbilden. Michael Streuns Kunst ist mehr als ein ästhetisches Erlebnis; sie ist ein philosophischer Impuls – ein Aufruf, das Paradigma des Sehens, Denkens und Seins neu zu definieren.
Ein zentrales Motiv in Streuns Werk sind zudem die Tronies – eine Genrebezeichnung aus der niederländischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts, mit dem charakteristische Köpfe und Gesichter beschrieben werden, die nicht als Porträt, sondern als Studie von Typus und Ausdruck gelten. Streun greift diese Tradition auf und überführt sie in eine zeitgenössische Bildsprache. Seine Tronies zeigen fast ausschliesslich junge Frauen, die er symbolisch als aktuelle Heldinnen versteht: selbstbewusst, kraftvoll und von stiller Poesie umgeben. Sie verkörpern weder idealisierte Schönheitsbilder noch sind sie als Portraitierte wiedererkennbar. In sich ruhend, sind sie authentisch und verweigern sich dem direkten Augenkontakt. In seinen Tronies verschränkt der Künstler Vergangenheit und Gegenwart – das historische Format wird zum Resonanzraum für heutige Fragen nach Identität, Rolle und Selbstbestimmung. Mit sensibler Farbgebung und kraftvollen Komplementärkontrasten sowie klarer Komposition und einem Gespür für das Unerwartete erschafft Michael Streun Genrebilder, die vertraut und irritierend zugleich sind – sie laden die Betrachtenden ein, im Antlitz moderner Frauen eigene Geschichten zu entdecken.
Text: Barbara Marbot und Hans Ryser, im Oktober 2025
Presse
Beitrag im Ensuite über das Berner Galerienwochenende, von Adrian Dürrwang
Einblick in die Ausstellung «Michael Streun – Paradigma»
Michael Streun
«Richtungswechsel»
2024
Öl auf Leinwand
30 x 190 cm
Michael Streun
«Der Damm»
2024
Öl auf Leinwand
200 x 160 cm
Michael Streun
«Der Kragen»
2025
Öl auf Leinwand
38 x 30 cm
Michael Streun
«Lichtfängerin»
2025
Öl auf Leinwand
38 x 30 cm
Michael Streun
Maler und Zeichner
*1965 in Bern, lebt und arbeitet ebenda und Thun.
Seit 2015 Dozent an der SFGB Schule für Gestaltung Bern & Biel.
Ausbildung
1981 - 1985 Lehre als Schriftenmaler
1998 - 2004 Schule für Gestaltung Bern
Auszeichnungen / Förderbeiträge / Stipendien (Auswahl)
2025 Artist in Residence, Fondazione Seewald, Ronco S. Ascona
2022 Artist in Residence, Fondazione Seewald
2022 Atelierstipendium für Berlin (Stadt Thun)
2017 Atelierstipendium für Berlin (Stadt Thun)
2012 Auslandsaufenthalt in Bulgarien (Stadt Thun)
Einzel- und Doppelausstellungen (Auswahl)
2023 Galerie Tammen, Berlin, «In Rage»
Satellit Space, Thun, «Überdreht»
2021 ALDIER, Sent, «Porträts Alberto Giacometti»
2017 Kunstmuseum Thun, Projektraum ENTER, Ortswechsel,
2014 Gepard 14, Bern, «Mal was anderes»
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2024 Kunstmuseum Thun, «Stadt-Land-Fluss»
ART Karlsruhe, Galerie Tammen, Berlin
2023 Positions Berlin art fair, Galerie Tammen, Berlin
2019 Museum Frieder Burda/Salon Berlin
2019 Kunsthaus Interlaken, Cantonal Bern Jura
2015 ASC Gallery, London, Art Lab# 2 / Fama Fame
Ankäufe/Sammlungen (Auswahl)
2021 Carlos Gross
2020 Sammlung Kunstmuseum Thun
2015 Sammlung Kanton Bern
2006/07 Christoph Merian Stiftung, Cartoonmuseum Basel
Die Stadt Thun verleiht dem bildenden Künstler Michael Streun den Kunstpreis 2025
Wir gratulieren herzlich!
Die Kulturkommission würdigt das langjährige künstlerische Schaffen und die Multidimensionalität seines Werkes. Michael Streun lässt aus feinfühligen Beobachtungen und Wahrnehmungen Ideen und Skizzen entstehen, welche zu grossflächigen, farbintensiven, eindrucksvollen Werken wachsen. Zentral ist seine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Realitäten, die er in utopischen bis dystopischen Bildern verarbeitet
Öffentliche Preisverleihung
«Thun preist die Kultur»
Freitag, 21. November 2025, 20.00 Uhr im Kultur- und Kongresszentrum Thun, Seestrasse 68, 3600 Thun. Keine Anmeldung nötig.
Werke von Michael Streun
Michael Streun
«Die Anleitung»
2024
Öl auf Leinwand
140 x 110 cm
Michael Streun
«Die Ernte»
2024
Öl auf Leinwand
160 x 130 cm
Michael Streun
«Aluna»
2024,
Öl auf Leinwand,
30 x 23 cm