Salomé Bäumlin
Fiber Art, Fotografie, Design, Zeichnung, Installation.
*1980 in Bern, lebt und arbeitet in Bern und seit 2007 auch in Marokko.
Ausstellungen bei da Mihi
2026 – Ausstellung siehe unten: Vernissage am 24. April 2026, 18.00 Uhr
2025 – TaPaS – Gruppenausstellung
2023 – mach mal Pause
2022 – 11 Jahre Galerie da Mihi – Werkschau zum Jubiläum
2022 – La lumière du Midi, mit Etel Adnan, Salomé Bäumlin, Claudia Comte, Tessa Perutz
2019 – und Du denkst, die Liebe sei weiss, mit Etel Adnan
2017 – Which Side Are You On?
2017 – TRANSIT–Reality, Gruppenausstellung
2015 – Silence on the Floor, mit Rudy Decelière
2013 – Zentrum der Peripherie
Presse
der Bund und Berner Zeitung, 12. Januar 2023 - "Sie bedruckte auch schon Leichentücher" von Helen Lagger
Berner Kulturagenda, 11. Januar 2023 - "Verwebte Geschichten"
von Tabea Andres
Berner Zeitung, 14. Mai 2019 - "Der Orient im Berner Keller" von Tina Uhlmann
Berner Zeitung, 10. März 2017 - "Kriegsmuster" von Stefanie Christ
Berner Zeitung, 6. Februar 2014 - "Zwischen Bern, Kairo und Marrakesch" von Sonja Gasser
Webseite Salomé Bäumlin
SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz
Abbildung: Salomé Bäumlin, «Hommage», 2026, Gewebe verzahnt, 193 x 120 cm
Salomé Bäumlin – die Tür schwingt
24. April bis 6. Juni 2026
Abbildung: Salomé Bäumlin, «Meduse-Midi», 2026, Rohwolle geknüpft, 80 x 75 x 18 cm
Sie schweben wie ein Mysterium, weich und üppig – kleine Medusen aus Farbe. Nichts daran will erklären – alles lädt zum Berühren ein. Rosafarbene Skulpturen, wollene Flaggen und ein textiler «Spirit» erwarten Sie in der Einzelausstellung von Salomé Bäumlin.
Sie arbeitet an der Schnittstelle von Textilkunst, Fiber Art, Zeichnung und Installation. Fiber Art versteht das Textile als eigenständige künstlerische Sprache und löst es aus seiner traditionellen Bindung an das Handwerk. In diesem erweiterten Feld positioniert sich Bäumlin.
Vernissage
Freitag, 24. April 18.00–20.00 Uhr
Kurzeinführung um 18.30 Uhr
Art Talk
Tapestry to fibre art – developments in contemporary art
- Fabienne Eggelhöfer, Chief Curator, Zentrum Paul Klee
- Salomé Bäumlin, Artist
- Kendra Jayne Patrick, Gallery Kendra Jayne Patrick, Bern
Tuesday, May 5th, 19:00–19:45 (in English)
Die Künstlerin ist anwesend
Samstag, 30. Mai, 13.00–17.00 Uhr
Finissage
Samstag, 6. Juni, 14.00–17.00 Uhr
Der Ausstellungstitel «die Tür schwingt» steht sinnbildlich für Übergänge: zwischen Innen und Aussen, Leben und Tod, Nähe und Distanz, Verletzlichkeit und Kraft. Für Salomé Bäumlin ist die Tür nicht statisch, sondern ein atmender Zustand – ein Dazwischen, das sich mit jedem Ein- und Ausatmen neu formt. Die Ausstellung fragt nach dem Moment, in dem etwas endet und zugleich etwas beginnt, und nach der Durchlässigkeit, die alles Lebendige miteinander verbindet.
Die Arbeiten kreisen um Transformation, Krisen und Brüche – persönliche wie gesellschaftliche. Sie thematisieren das Spannungsfeld zwischen archaischer Körperlichkeit und einer digitalisierten Welt, die glättet, filtert und entmaterialisiert. Bäumlin interessiert die Frage, wie Leben sinnlich erfahrbar bleibt: als Wärme, Geruch, Widerstand, als Kratzen und Verführen. Gleichzeitig greift sie Themen wie Flucht, Grenzen, Visionen und das Weitergehen im Ungewissen auf – Momente, in denen aus dem Nichts ein neuer Anfang entsteht. Die Ausstellung bewegt sich zwischen Chaos und Ordnung, zwischen dem Fliessen der Tuschemalerei und der Schwere von Wolle, zwischen Ritual, Handwerk und existenzieller Gegenwart. In diesem Kontext wird auch deutlich, warum Bäumlin zunehmend unter dem Begriff Fiber Art arbeitet: sie erlaubt ihr, Material, Körperlichkeit und gesellschaftliche Themen unmittelbar miteinander zu verweben. In diesem erweiterten Feld nimmt Salomé Bäumlin eine pionierhafte Rolle ein: Sie verbindet textile Techniken mit gemeinschaftlichen Arbeitsformen und einer konsequent nachhaltigen Materialethik. Ihre Praxis basiert auf Wiederverwendung, Reparatur und der Einbindung sozialer Prozesse – das Gewebe wird bei ihr zum sozialen Raum. Damit steht sie in einer Traditionslinie mit Künstlerinnen wie Anni Albers oder Magdalena Abakanowicz, entwickelt jedoch eine zeitgenössische Haltung, die ökologische Verantwortung und kollektive Teilhabe ins Zentrum rückt.
Die Ausstellung vereint drei Werkgruppen:
Textile Skulpturen und Fransenobjekte
Sie betonen das Archaische und Körperliche. Sie lösen sich vom Bildhaften, geben dem Material seine eigene Kraft zurück und machen spürbar, dass das Lebendige an Materie gebunden ist. Diese Arbeiten stehen exemplarisch für Bäumlins Position innerhalb der Fiber Art: Textil ist nicht dekorativ, sondern existenziell.
Flaggen
Sie sind in einer symbolhaften Formensprache gehalten. Sie machen Hoffnung, zeigen Brüche, markieren Grenzen und lassen das Weitergehen ins Ungewisse sichtbar werden.
Zeichnungen
Sie entstehen aus Bewegung und folgen dem Weg der Tuschemalerei. Sie reduzieren, lassen Farbe fliessen und machen Leere als Form sichtbar. Zwischen organischen Strukturen, Punkt und Linie entstehen Räume, die zwischen Mikro und Makro oszillieren.
Wie hat sich das Werk von Salomé Bäumlin seit der letzten Ausstellung 2023 entwickelt?
Während «Mach mal Pause» noch stark vom Erleben der Pandemie geprägt war – vom Spielen, vom Offenen, vom Experimentieren – führt «die Tür schwingt» radikaler in die Reduktion und ins Archaische. Die neue Werkphase ist konzentriert, körperlich, existenziell und kontrovers. Den textilen Skulpturen in Rosa steht eine in Schwarz gegenüber, Sinnlichkeit trifft auf Abgrund, Weiss und Schwarz auf Blut und Fleisch. Die Arbeiten sind weniger verspielt, dafür unmittelbar und dicht. Sie markieren einen persönlichen Kippppunkt der Künstlerin und stellen zugleich eine Verdichtung ihrer bisherigen Themen dar. Die Positionierung innerhalb der Fiber Art ist deutlicher geworden: Die Materialität ist nicht mehr allein Mittel, sondern Thema.
Salomé Bäumlin (*1980) arbeitet an der Schnittstelle von Textilkunst, Fiber Art, Zeichnung und Installation. Ihre Haltung gründet auf Verbundenheit: zwischen Materialien, Menschen und kulturellen Praktiken. Seit 2013 arbeitet sie mit Frauen der Amazigh Aït Ouazquite in Marokko zusammen und verbindet traditionelle Techniken mit zeitgenössischen Fragestellungen. Die sieben Merkmale der Zen-Künste – Reduktion, Natürlichkeit, Asymmetrie, Wandel, Tiefgründigkeit, Freiheit von Form und innere Ruhe – prägen ihre präzise Bildsprache und leiten sie in ihrem künstlerischen Prozess.
Text: Barbara Marbot und Hans Ryser, im Februar 2026
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