Claudius Weber, Ich mache mit meinen Quasi-Kristallen, was ich will. April 2020, Bleistift, Aquarell, Gouache auf Papier, A4

16. April 2020

Markus Raetz – er läutete in Bern eine neue Epoche ein

Bern hat Traditionen, Altes, Bewährtes, «ging wie gäng» ist hoch im Kurs, ebenfalls in der Kunst. Anker, Hodler, Amiet… und dann kam Markus Raetz. Alles war anders. Seine Kunst – radikal neu. Obwohl auch Raetz malen konnte, brach er aus der Malerei aus, erfand die Linie neu, transportierte sie in den dreidimensionalen Raum. 

Genial sind seine «TODO NADA» Skulpturen und sein «Hasenspiegel» – es sind Ikonen der neueren Kunstgeschichte geworden. (Abbildung unten)

 

Markus Raetz (1941-2020) prägte wie kaum ein anderer Berner Künstler die internationale Kunst der siebziger und achtziger Jahre. Bereits 1968 war er Teilnehmer an der Documenta 4, die letztmalig von Arnold Bode geleitet wurde. Er gehörte zum damaligen Epizentrum der Berner Avantgarde um Harald Szeemann, folglich war er bei «When Attitudes become Form» dabei. Weitere Documenta-Teilnahmen folgten (5 und 7). 1988 vertrat er die Schweiz an der Biennale in Venedig. Sein internationaler Erfolg wurde mit Ausstellungen in wichtigen Museen in Europa weiter gefestigt.

 

Bestimmt erinnern Sie sich an seine Einzelausstellung, «Prints Sculptures» im Kunstmuseum Bern, im Jahre 2014. Natürlich war er zudem in vielen Gruppenausstellungen mit dabei, da sein Werk in den entsprechenden Sammlungen vertreten ist.

 

Gegenwartskunst – Markus Raetz – Kunstmuseum Bern: Lassen Sie uns innehalten und träumen – in dieser aussergewöhnlichen Zeit, wenn das öffentliche Leben weitgehend stillsteht und der wichtigste Berner Künstler von uns gegangen ist. 

 

Vielleicht kann der grosse Name, Markus Raetz, posthum für Bewegung in der unendlichen Geschichte um den Erweiterungsbau am Kunstmuseum beitragen. Er hätte es verdient. 
R.I.P.

 

Markus Raetz, Hasenspiegel, 1988 - 2000 ©Wikimedia