Salomé Bäumlin, Soheit, 2019, Tapisserie Hochflor, Wolle, Galerie da Mihi, Bern

15. April 2020

Künstlerinnen und Geld – Teil zwei

Gestern standen die Wechselwirkungen von Kunst und Geld im Zentrum. Dabei ist klar geworden, dass es hauptsächlich um den hochpreisigen Kunstmarkt geht, in welchem Kunst von Künstler/innen gehandelt wird, die oft bereits gestorben sind. Hinzu kommen erfolgreiche, zeitgenössische Künstler/innen, die sich Zugang zu exklusiven Netzwerken sichern konnten und ein hohes Preisniveau erreicht haben. Was ist jedoch mit denjenigen, die es (noch) nicht «geschafft» haben?

 

Zuerst eine Klarstellung: Wir äussern uns ausschliesslich zu professionellen Kunstschaffenden, die ein mehrjähriges Studium an einer Kunsthochschule oder an einer Akademie absolviert oder dieselbe Anerkennung durch eine autodidaktische Laufbahn erreicht haben. 

 

Schätzungen von Expert/innen gehen davon aus, dass 95% dieser Künstler/innen nicht von ihrer Kunst leben können. Folglich stellt sich für Aussenstehende die Frage; warum beschäftigen sie sich dennoch mit Kunst? Ganz einfach, weil sie müssen, weil sie nicht anders können, weil sie Künstler/innen sind. Das mag seltsam klingen, doch die meisten Künstler/innen und Kunstliebhaber/innen wissen, was damit gemeint ist. Kunst ist das lebensnotwendige Ausdrucksmittel oder als ein Medium zu verstehen – ein Schriftsteller schreibt, eine Musikerin musiziert oder Theaterschaffende inszenieren ein Schauspiel. 

 

Wovon leben diese 95%, die meistens gut ausgebildet sind? Die meisten behelfen sich mit einem sogenannten «Brotjob», arbeiten in der Kreativwirtschaft, im Bildungsbereich, auch in anderen Branchen, zum Beispiel als Mechaniker in einem Industriebetrieb. Selbstverständlich versuchen die meisten Künstler/innen Geld für ihre Kunst zu erhalten. Der Verkauf aus dem Atelier oder über eine Galerie ist nur einer von verschiedenen Wegen. Speziell zu Beginn einer Karriere sind Gelder aus der staatlichen Kulturförderung, wie Projektbeiträge, Stipendien, Kunstpreise und Residenzen ein probates Mittel. Solche Förderbeiträge stammen nicht nur aus staatlichen Quellen, sondern auch aus privaten Stiftungen und von Mäzen/innen. Desgleichen unterstützen Kunstliebhaber/innen in grösserem Ausmasse Künstler/innen, sei es durch Ankäufe, direkt mit finanziellen Mittel oder durch Auftragsarbeiten.

 

Es ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass viele Künstler/innen in prekären Verhältnissen leben und auf Unterstützung angewiesen sind. Doch wenn nun aufgrund der Corona-Krise Aufträge wegfallen, Ausstellungen und Projekte verschoben werden und dies gleichzeitig in ihren «Brotjobs», dann wird es wirklich schwierig. Helfen Sie mit, Künstler/innen zu unterstützen! Unser jeweiliges «Werk des Tages» bietet eine Möglichkeit von vielen.