M.S. Bastian & Isabelle L., Frühling im Paradies, 2012 / 2015 / 2016, Mischtechnik auf Leinwand, Galerie da Mihi, Bern

14. April 2020

Kunst und Geld – Teil eins

Eine konfliktbeladene Liaison, über die bereits viel geschrieben und debattiert wurde. Auch wir haben gerungen – wie Sie vielleicht festgestellt haben, konnten wir unseren Blog-Beitrag nicht im ersten Anlauf fertigstellen. Es sind nun zwei Beiträge daraus geworden. Der zweite trägt den Titel: Künstler/innen und Geld. Unsere kurzen Texte können notgedrungen nur einen Anstoss zum komplexen Thema beisteuern. Versuchen wir es trotzdem. Grundsätzlich: Kunst ist Kunst, verfolgt keinen Zweck und hat somit auch keinen ökonomischen Wert. Kunst entzieht sich von ihrem Wesen her dem Markt.  

 

Das Urinal von Marcel Duchamp hat einen ideellen, einen kulturellen Wert. Das trifft für die meiste Kunst, die in Museen hängt oder steht zu. Auch viele zeitgenössische Arbeiten, die neu geschaffen werden, entziehen sich dem Kunstmarkt. Dem entgegengesetzt, beginnt aus der Sicht der reinen Lehre die Ambivalenz; auch solche Kunst kann in den Status eines begehrenswerten Objektes mutieren und wird z.B. an einer Art Basel zu horrenden Preisen gehandelt. Kunst wird zum gefragten Luxusgut. Ähnlich wie eine Gucci-Handtasche, erhält ein Kunstwerk einen monetären Wert, welcher in keinem Verhältnis zu seinem Materialwert steht. Es spielen dieselben ökonomischen Regeln von Angebot und Nachfrage, wie sie bei entsprechenden Luxusgütern üblich sind. Viele Sammler/innen möchten einen echten Picasso haben, das Angebot ist jedoch limitiert, also steigen die Preise. Das trifft allerdings nur für einen ganz kleinen Teil der Kunst zu, der grösste Teil ist davon ausgenommen. Gemäss dem «ArtBasel Market Report» aus dem Jahre 2018 sind 1% der Künstler für 65% des gesamten Marktvolumens verantwortlich. Die meisten sind bereits gestorben. Mit anderen Worten, der grösste Teil der heute aktiven Künstler/innen, schafft es nicht in diesen aufgeblasenen Markt. Das ist eigentlich auch gut so, denn wie erwähnt, entzieht sich Kunst von ihrem Wesen her dem Markt. 

 

Was machen die übrigen 99% dieser Künstler/innen, deren Kunst eher von lokalen, kleinen und mittleren Galerien gehandelt wird? Auch solche Kunst hat einen Preis. Hier spielen für die Preisbestimmung jedoch andere Kriterien eine Rolle: Grösse, Technik, Materialität und nicht zuletzt der gedankliche und auch der arbeitstechnische Aufwand, der in einem Werk steckt. 

 

Dieser Kunstmarkt bildet das Rückgrat des kulturellen Schaffens einer Region. Ähnlich wie im Fussball gäbe es ohne den Breitensport der regionalen Ligen keine Champions League und keine Stars. Kleine bis mittlere Galerien unterstützen Künstler/innen mit Bezug zu einer Region und teilen ihre Faszination für Kunst, auch wenn daraus nicht der nächste Mega-Star erwächst.

 

Die grosse, mysteriöse Frage bleibt: Warum schafft es gewisse Kunst, respektive deren Schöpfer/innen in elitäre Sphären, währenddessen die meisten Künstler/innen bloss davon träumen? Dazu in einem nächsten Blog mehr. 

 

Für die Ungeduldigen: Eine ausführliche Erklärung erhalten Sie im Buch «Verhandlungssache Galerie» von Barbara Marbot. Im einleitenden Kapitel über das Art-Eco-System, werden die entscheidenden Wirkungsmechanismen einer Künstlerinnen- oder Künstlerkarriere eingehend erläutert.