Barbara Kiener, Performance «Mist», Bahnhofplatz Bern, Edition 1/5, 2019, Galerie da Mihi, Bern

1. Mai 2020

Künstler/innen, die uns aufgefallen sind – heute Raphaela Vogel


Feministische Kunst, die aufgeblasenen Fussball «Ultras» so richtig ans Leder geht. Jedoch ohne plump zu wirken, sondern subtil, hoch intellektuell – das ist Raphaela Vogel in ihrer fantastischen Ausstellung «Ultranackt», die sie im Sommer 2018 in der Kunsthalle Basel gezeigt hat.

Die Ausstellung beginnt mit einem ersten «aufgeblasenen Schild», wie sie ihre Skulpturen auch versteht – mit einem veritablen, lebensgross, aufbäumenden Ferrari-Pferd. Aus seinem Kopf schiessen feuerrote Kabel mit kugelförmigen Lautsprechern an den Enden. Daraus dröhnt die Fan-Hymne des BVB Borussia Dortmund, deren «Ultras» berühmt berüchtigt sind für ihr Krawall-Potenzial. Sinnigerweise heisst die Installation «Kopfschuss».

Anschliessend steht eine Serie von kopflosen Figuren, Schlange stehend vor einem Dixi Urinal. Das Urinal ist unkenntlich, da es auf Kopfhöhe horizontal an die Wand befestigt ist. Dergestalt schaut es aus wie eine Rakete, jederzeit bereit, die Ultras auf den Mond zu schiessen. Die vier Urinal-Öffnungen bespielt mit intimen Videos von Raphaela Vogel. Das Objekt nennt sie Uterusland.
Untenstehend finden Sie Ausstellungsfotos. So geht gesellschaftskritische, zeitgenössische Kunst. Bravo!

Das Mousse-Magazin veröffentlichte ein lesenswertes Interview mit der Künstlerin und dem Kurator Tenzing Barshee, der übrigens ab und zu für die Berner Kunsthalle aktiv ist. 

Raphaela Vogel (*1988 in Nürnberg) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte zuerst an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Michael Hakimi und später an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Peter Fischli. 2015 erhielt sie den Columbus-Förderpreis für aktuelle Kunst. 

Die Künstlerin nutzt digitale Technologien und bedient sich zugleich tierischer, natürlicher, archaisch wirkender Materialien. Sie hinterfragt Rollenzuschreibungen und thematisiert die geschlechterspezifische Dimension des Sehens und Gesehenwerdens. 

Medien: Videoskulptur, Installationen, Performance 

Kopfschuss, 2018, Ausstellungsansicht Kunsthalle Basel «Ultranackt»

Kopfschuss, 2018, Ausstellungsansicht Kunsthalle Basel «Ultranackt»

Uri, 2018, Ausstellungsansicht Kunsthalle Basel «Ultranackt»

Uri, 2018

Uterusland, 2018, Ausstellungsansicht Kunsthalle Basel «Ultranackt»

Uterusland, 2018, Dixi Urinal